Skulpturen in Holz - auf dem Holzweg im Wandel der Zeit
Heinz Moering, Leiter der Holzfachschule Bad Wildungen
Wohl kaum ein Roh-, Bau- und Werkstoff kann auf eine so lange Tradition zurückblicken wie das Holz. Wohl kein anderer Stoff symbolisiert auch den Wandel, den Weg durch die Zeit und das Auf und Ab der Lebenszyklen so deutlich, wie es der Baum als Rohstofflieferant des Holzes tut.
Holz als Bau- und Werkstoff hat in den vergangenen Jahren deutlich an Stellenwert gewonnen. Vor der aktuellen Klimadiskussion stellt sich dieser nachwachsende Rohstoff als ausgezeichnete Alternative gegenüber den traditionellen Baustoffen dar. Besonders der geringe Energiebedarf zurHerstellung, die Nachhaltigkeit und der Umstand, dass verbautes Holz als Kohlenstoffspeicher einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet, sind entscheidende Vorteile dieses historischen und trotzdem hochaktuellen Werkstoffs.
Nur die Aufforstung und das Management von Wäldern sowie die nachhaltige Holznutzung stellen im Klimaschutz die bislang einzige kostengünstige Möglichkeit dar, bereits emittiertes CO2 der Atmosphäre über Photosynthese wieder zu entziehen. Vor dem Hintergrund des weltweiten Klimawandels kommt daher dem Rohstoff Holz eine wichtige Rolle zu.
Traditionelle Einsatzgebiete wie Holzbau und Brückenbau oder Bauelemente und Möbel sowie Innenausbau werden ergänzt durch ganz neue Verwendungsmöglichkeiten, z.B. im Bereich der Automobilindustrie oder beim Treibstoff aus Biomasse. Die optimale Nutzung dieser Ressource Holz wird jedoch nur gelingen, wenn die in der Holzwirtschaft tätigen Menschen dementsprechend qualifiziert sind. Neue Verfahren und Technologien erfordern eine entsprechende Aus-, Fort- und Weiterbildung der Beteiligten. Neben einer soliden Berufsausbildung sind dafür immer mehr Mitarbeiter nötig, die auf Basis des erlernten Berufes über „ingenieurmäßiges“ Wissen verfügen. Von den technischen und technologischen Faktoren der Holzbereitstellung und Bearbeitung über Sensor-Technologien bis hin zu innovativen Lösungen beim Bauen mit Holz. Die Anforderungen aus dem Brandschutz, Schallschutz oder Wärmeschutz im mehrstöckigem Wohnungsbau oder der „Röntgentechnologie zur Bestimmung der Holzqualität“ verlangen von der Holzwirtschaft verantwortungsvolles Denken und Handeln und entscheiden über den optimalen Einsatz von Holz in der Zukunft.
Die aus der Holzwirtschaft vor mehr als 70 Jahren gegründete Holzfachschule Bad Wildungen stellt sich diesen Anforderungen. Als direktes Bindeglied zwischen produzierender Wirtschaft und Bildung steht sie seit Jahrzehnten im Spannungsfeld des Wandels in Technologie und Gesellschaft. Auch die Holzfachschule Bad Wildungen hat sich kontinuierlich gewandelt und mit der Errichtung des Kompetenzzentrums „ZHEUS“ einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft vollzogen.
Mit Vollendung der Baumaßnahmen zum Kompetenzzentrum urde neben dem technisch-konstruktiven auch der aukulturell-künstlerische Anspruch gewürdigt und entsprechend er Zielsetzung der Holzfachschule im Rahmen der Kunst am Bau realisiert. Die Künstler konnten sich hier in Bad Wildungen direkt mit dem Thema Holz – Bildung – Technologie aber auch mit der „Holzfachschule“ direkt auseinander setzen, die vorgefundenen Flächen, Gebäude und Gedankenwelt in sich aufnehmen, vereinnahmen und in Kunst und Kunstwerke umsetzen. Realisiert im Skulpturenpark der Holzwirtschaft steht als Ergebnis ein Campus, der einlädt zum Wandeln zum Verweilen und Innehalten. Ein gelungenes Stück „Kunst am Bau“ in einem rundum gelungenen Umfeld.
Stehen ZHEUS und Holzfachschule für die Branche als Wissensfabrik, so wird mit dem Skulpturenpark der Holzwirtschaft ein Tor geöffnet, das allen interessierten Kreisen Einblick in die Welt des Holzes und ihre Prozesse gewährt, neugierig macht und zu Diskussionen Anlass gibt.
Das Tor steht offen, wir laden Sie ein.
Skulpturen für den Campus
Wladimir Olenburg, Organisator, Skulpturenpark der Holzwirtschaft
Die Holzfachschule Bad Wildungen entschied sich zu Beginn des Jahres, der Bildenden Kunst auf Dauer ein Forum zu schaffen: Auf ihrem Campus sollte ein Skulpturenpark entstehen.
Eine gute und richtige Entscheidung, denn Kunst schafft Inseln in unserem Alltag, der in der Regel von nüchternen Abläufen bestimmt ist.
Im Rahmen verschiedener Baumaßnahmen und der Neugestaltung ihres 40.000 m2 großen Areals entschied sich die Schule dazu, Kunst auf ihrem Gelände zu platzieren. Nicht in Form von Ankäufen, sondern Kunst, die gezielt für dieses Gelände entstehen sollte.
Hierzu wurde ein deutschlandweiter Wettbewerb ausgelobt, in den auch ausländische Partnerregionen der deutschen Holzwirtschaft einbezogen wurden.
Über ZHEUS, dem „Zentrum für Holz, Energie, Umwelt und Sicherheit“, unterhält die Institution Holzfachschule Bad Wildungen nationale und internationale Beziehungen zu Partnerorganisationen aus allen Wissensbereichen der Holzwirtschaft. Was lag also näher, diese globale Vernetzung auch in künstlerischer Form auf dem Campus widerzuspiegeln.
So fiel die Entscheidung zugunsten eines Skulpturenparks, dessen einzelne Skulpturen einerseits Fortschritt, Innovation und Globalisierung thematisieren sollten, andererseits aber auch die Option hatten, Traditionelles oder Landestypisches aufzugreifen und dies in die heutige Zeit zu transponieren. Die Skulpturen sollten überwiegend oder vollständig aus dem Material Holz bestehen und sich in ihrer Dimensionierung in das Gelände und die Bebauung eingliedern. Sie sollten Fernwirkung besitzen, ohne von ihrer Größe her unverhältnismäßig zu sein.
So begann das Projekt Skulpturenpark der Holzwirtschaft im Frühjahr 2008. Als Endtermin wurde Oktober 2008 anvisiert. Ziel war es, unter den eingereichten Vorschlägen zehn Beiträge zu finden, die den Vorgaben überzeugend entsprachen. Die Ankündigung der Auslobung erfolgte im Februar, Anfang März konnten die Unterlagen per Download von der Website der Holzfachschule abgerufen oder schriftlich angefordert werden. Rückfragen waren bis Ende März möglich, die Antworten wurden wiederum auf die Website der Institution gestellt. Die Künstler hatten danach bis Ende Juni Zeit, Vorschläge einzureichen. Insgesamt bewarben sich bis zu diesem Zeitpunkt 138 Künstlerinnen und Künstler, vorwiegend aus Deutschland.
Eine Jury, bestehend aus einem Vertreter des Auslobers, dem Architekten der Baumaßnahme, einem Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklun sowie zwei Bildenden Künstlern, wählte aus den Einreichungen nach einem Sitzungsmarathon zwölf Vorschläge aus, die realisiert werden sollten.
Leider zog ein Künstler seinen Beitrag wieder zurück, so dass nur noch elf Beiträge verblieben.
Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler hatten drei Monate Zeit, ihren Vorschlag zu realisieren. Ein Teil von ihnen arbeitete vor Ort, andere lieferten ihr fertiges Werk an. Bagger hoben Löcher aus, Fundamente wurden gegossen, Hebefahrzeuge hievten die Kunstwerke – zum Teil bis zu zweieinhalb Tonnen schwer – in ihre Positionen. Was sich an dieser Stelle mit wenigen Worten umreißen lässt, bedurfte in der Realität logistischen und koordinatorischen Aufwandes.
Der Zeitrahmen konnte eingehalten werden. Zum geplanten Termin standen alle Arbeiten.
Gegen Ende wurde der Zeitdruck aufreibend, aber die Künstlerinnen und Künstler agierten sehr diszipliniert. Ihre professionelle Einstellung soll an dieser Stelle betont und gelobt werden.
Was lässt sich über das Ergebnis sagen?
Ziel der Jury bei der Auswahl der Vorschläge war es, ein breites Spektrum an Arbeiten hoher künstlerischer und inhaltlicher Qualität im Kontext der Einrichtung Holzfachschule auszuwählen. Aber auch einige Beiträge freier Interpretation konnten überzeugen. Lagen bei der Jurierung ausschließlich zeichnerische Skripte oder Modelle vor, so mussten sich diese in natura bewähren.
Alle realisierten Vorschläge, einige davon in hervorragender Weise, wurden den Anforderungen gerecht.
Ein Teil der Arbeiten setzt sich mit generellen Aspekten des Holzes und seiner Verarbeitung auseinander, während andere sich auf die Inhaltlichkeit des Ortes beziehen. Einzelne entziehen sich jeglicher Ortsbezogenheit und schaffen gerade dadurch neue Aspekte.
Schon während der Aufstellung der Arbeiten setzten sich Mitarbeiter und Besucher der Holzfachschule mit den Ergebnissen auseinander. Und bereits hier zeigte sich, dass einige der Arbeiten stark polarisieren, große Zustimmung finden oder abgelehnt werden. Ein gutes Zeichen, denn primäres Ziel war es keineswegs, lediglich etwas „Schönes“ auf dem Campus entstehen zu lassen. Die Skulpturen sollen zur Auseinandersetzung anregen und die Kommunikation fördern.
Der Auslober sah es als angemessen an, für drei Arbeiten, die aus der Sicht der Jury eine besondere Qualität in sich tragen, zusätzliche Preise zu vergeben.
Dem Auslober sei an dieser Stelle für seine Entscheidung gedankt, der Kunst Einzug auf seinem Gelände zu gewähren. Zu wünschen ist, dass der entstandene Skulpturenpark die Holzfachschule Bad Wildungen ermutigt, auch in Zukunft hin und wieder Kunst für seine Innenräume zu erwerben.
Jury und Künstler
Jury
Bernd Gehring, Architekturbüro Gehring & Partner, Bad Wildungen Rolf Katsch, Bundesministerium für Verkehr,Bau und Stadtentwicklung, Bonn Heinz Moering, Holzfachschule Bad Wildungen Wladimir Olenburg, Künstler, Bad Wildungen Katja Theinkom, Künstlerin, Mainz
Teilnehmende Künstler
Bernhard&Meyer – Große Liegende P. Ariane Ehinger – Azul 2 Peter Helmstetter – im Prozess Andreij Herzog – Der Chip Ernst Hingerl – Verzinkung Timm Kregel – ZHEUS-Gefährt Peter Odenwaeller – AugenSpiel Usch Quednau – Wissen und Praxis (Buchleser) Susanne Ruoff – hoch hinaus Markus Schmitt – KabelBäume Franz Schröger – Die Schraube
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