Entwicklung des Modellbauer-Berufes
Vom „Modell-Schreiner“ zum „Leader“ in der Automobilentwicklung
Vor ca. 120 Jahren: Die industrielle Entwicklung erzeugt einen wachsenden Bedarf an Werkzeugen, Vorrichtungen und Modellen zur wirtschaftlichen Fertigung von z. B. Fahrzeugen, Motoren, Werkzeug- und Papiermaschinen. Handwerker im Umkreis derartiger Industriebetriebe spezialisieren sich als Zulieferer für diese Bereiche. Vor ca. 100 Jahren: Es gibt bereits den „Verband Deutscher Modellfabrikanten“. Vor ca. 85 Jahren: Die „Goldenen Zwanziger Jahre“ bringen auch diesen Betrieben ein beträchtliches Wachstum. Es entsteht eine eigene Ausbildungsord-nung für Modellbauer. Die Lehrlinge werden an den Berufsschulen zusammen mit den Formern ausgebil-det. Die Bezeichnungen „Modelltischler, -schreiner“ und „Modellschlosser“ bleiben aber, insbesondere in der Industrie, zum Teil bis heute gebräuchlich. Die Tätigkeit des Modellbauers bezieht sich im Hand-werk zu ca. 90 % und in der Industrie ausschließlich auf die Herstellung von Gießereimodelleinrichtungen. Mithilfe dieser Modelleinrichtungen werden in Gieße-reien Sandformen erzeugt, die das flüssige Metall in der gewünschten Gestalt erstarren lassen. Die übrigen Tätigkeiten des Modellbauers beziehen sich auf die Herstellung von Architektur- und auch Anschauungs¬modellen. Es gibt sowohl Modellbauer in eigenständigen Hand-werksbetrieben als auch in Industriebetrieben. Vor ca. 40 Jahren: Die Anforderungen der Kunden an die Produkte insbesondere der Automobil-, aber auch der Haushaltsgeräte- und der Unterhaltungselektro-nikindustrie werden immer anspruchsvoller. Die Indust¬rie versucht diesen Ansprüchen mit immer mehr Vari¬anten und immer ausgefeilterem Design gerecht zu werden. Für die Modellbauer in Industrie und Hand¬werk entstehen neue Herausforderungen. Sie müssen Modelle liefern, mit denen die äußere Gestalt von In¬dustrieprodukten, insbesondere von Automobilen, entwickelt und dokumentiert werden kann. Vor ca. 25 Jahren: Die Position der Modellbauer ver-schiebt sich immer mehr: Ca. 50 % der Tätigkeiten beziehen sich auf die Herstellung von Vorrichtungen, Lehren und Modellen zur Entwicklung und Herstellung von Automobilen. Vor ca. 20 Jahren: Das weiter entwickelte Berufsbild des Modellbauers wird diesen Änderungen mit der Aufteilung in „Produktionsmodellbau“ und „Anschau-ungsmodellbau“ gerecht. Im Produktionsmodellbau wird zwischen „Gießereimodellbau“ u. „Karosseriemo¬dellbau“ unterschieden. Die Modellbauer erkennen die Anforderungen der Computer unterstützten Technolo¬gien und setzen sie frühzeitig um. Vor ca. 15 Jahren: Die Modellbauer stellen sich den Herausforderungen des Informationszeitalters und investieren mit großem unternehmerischem Mut in die entsprechenden Technologien. Für viele Betriebe ist der Umgang mit CNC- und CAD-Daten bereits selbst¬verständlich.
Heute: Bei der Vielfalt der betrieblichen Strukturen finden die industriellen Auftraggeber immer den geeigneten Betrieb zur Erfüllung des Auftrages. Vom klassischen „Meisterbetrieb“, der schnell und wirtschaftlich auf unterschiedlichste Anforderungen eingehen kann, bis zum Betrieb, der als „Leader“ mit Hilfe von Unterlieferanten komplette Entwicklungsaufträge übernehmen kann, sind die Modellbaubetriebe zum Problemlöser für ihre Kunden geworden. Eigentlich wollen die Kunden des Modellbauers keine Modelleinrichtungen, sondern einbaufertige Produkte, bei denen es sich sowohl um einzelne Werkstücke aus Kunststoff, Blech oder Guss handeln, kann als auch um Komponenten oder ganze Fahrzeuge. Die Kernkompetenz der Modellbauer liegt in der Fähigkeit, die gestalterischen Vorstellungen des Konstrukteurs oder Designers auf wirtschaftliche Art und Weise mit den technischen Notwendigkeiten der Fertigung in Übereinstimmung zu bringen. Zum 1. August 2009 trat die neue Ausbildungsordnung „Technischer Modellbauer“ in Kraft, die gleichermaßen für Handwerk und Industrie gültig ist.
In Zukunft: Die Modellbauer werden mit immer wieder neuen Technologien an der technischen Entwicklung aktiv teilnehmen. Eine jahrzehntelange enge Partnerschaft pflegen der Bundesinnungsverband und die Holzfachschule Bad Wildungen, an der das deutsche Modellbauer-Handwerk seine Heimat in der Aus- und Weiterbildung gefunden hat. Schon sehr früh erkannten die Branchenvertreter die Notwendigkeit einer Konzentration in der Berufsbildung. Bereits 1972 wurde der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungspolitik des Verbandes an zentraler Stelle in Deutschland gelegt: die Bundesfachschule Modellbau wurde eingerichtet. Im Laufe der Jahre etablierte sich die Schule in der Branche und genießt heute bundesweit mit ihren vorbildlichen Ausbildungsbedingungen hohe Wertschätzung.
Die Bundesfachschule dient als Standort und Zentrum für Berufsbildung, als Symbol für die sinnvolle Verknüpfung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung, als Informationspool und Koordinator für Zulieferer und Betriebe. Die Verknüpfung von Anforderungen aus der konventionellen Fertigung mit den hohen Ansprüchen der neuen Technologien gelingt durch das Zusammenspiel von Betrieb, Verband und Bildungseinrichtung. Dadurch wird der Wissenstransfer dauerhaft gewährleistet. Das Weiterbildungsprogramm der Schule beruht auf einem langjährig erprobten Konzept. Angeboten werden neben Lehrgängen zur überbetrieblichen Unterweisung und Fortbildungsschulungen insbesondere spezielle Meistervorbereitungskurse für den Modellbau (Originaltext Bundesverband).
Der Fachbereich gliedert sich in die Bundesfachschule Modellbau und das Institut für Modell- und Formenbau. Bereits seit über 35 Jahren findet an der Holzfachschule in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Verbänden, Behörden und Unternehmen die Entwicklung und Durchführung von beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen für Modellbauer aus Handwerk und Industrie statt. Seit Oktober 2005 bietet der Fachbereich Modellbau in Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Nordhessen einen in Europa einzigartigen Studiengang zum "Bachelor of Engineering (Fertigungsprozessinformatik)" an.
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